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Julien Offray de La Mettrie - eine Kurzbiographie

von Maik Hager, zuletzt geändert am 27.07.2014

 

Als Julien Offray de La Mettrie im Herbst 1709 in der bretonischen Stadt Saint-Malo das Licht der Welt erblickte, konnten seine Eltern noch nicht ahnen, in welche Schwierigkeiten ihr Sohn einmal geraten würde und lange sah es auch so aus, als wenn die Karriere ihres Sohnes in relativ normalen Bahnen verlaufen würde. Sein Vater, ein wohlhabender Tuchhändler, hatte für seinen Sohn eine geistliche Laufbahn vorgesehen. Julien fügte sich zunächst, begann aber 1725, nachdem er seine Ausbildung an verschiedenen geistlichen Schulen abgeschlossen hatte, in Paris Philosophie und Naturwissenschaften zu studieren. Schon bald interessierte er sich mehr für Medizin und promovierte im Alter von 24 Jahren in Reims. Von Reims aus zog La Mettrie in das südholländische Leiden, wo Hermann Boerhaave, einer der führenden Mediziner seiner Zeit, lehrte. Bei ihm verbesserte er sein medizinisches Können und Wissen, auch indem er Schriften seines Lehrers ins Französische übersetzte. Er verfasste aber auch eigene medizinische Abhandlungen. Schließlich kehrte La Mettrie 1735 in seine Heimatstadt zurück und ließ sich dort als Arzt nieder. Vier Jahre später heiratete er und wurde 1741 Vater.


Das Jahr 1742 stellt den Wendepunkt im Leben La Mettries dar. Aus bisher ungeklärten Gründen, manche behaupten es sei Abendteuerlust gewesen, verließ er seine Frau und seine Tochter und wurde Leib- und Militärarzt des Herzogs und Generals Louis de Gramont. Während des Österreichischen Erbfolgekriegs nahm La Mettrie als Sanitätsoffizier an militärischen Operationen teil. Nach einem schweren Fieberanfall, den er im Feldlager erlitt, verfasste er 1745 seine erste philosophische Schrift „Histoire naturelle de l’âme“ (Naturgeschichte der Seele), die 1745 anonym erschien und in der er seine materialistischen Ansichten über den Menschen darlegte, wonach es keine Seele gebe und der Geist als Funktion der menschlichen Morphologie gedeutet wird.


Dieser anthropologische Materialismus und weitere Angriffe auf die aus seiner Sicht veraltete Medizin seiner Zeit prägten auch seine weiteren Schriften und das Denken La Mettries. Als Hauptwerk gilt heute die 1748 ebenfalls anonym erschiene Schrift „L’homme machine“ (Der Mensch eine Maschine). In ihr legt der Autor anhand seiner anatomischen und morphologischen Studien dar, warum die Seele bzw. der Geist als Funktion der Materie aufgefasst werden muss und warum es keine Trennung zwischen Seele/Geist und Körper geben könne (Monismus). La Mettries Feststellung, dass der Mensch eine Maschine sei, ist dabei nicht negativ zu verstehen, sondern stellt seiner Ansicht nach den Schlüssel zum Verständnis des menschlichen Wesens dar, der eine „sehr erleuchtete Maschine“ sei.


Seine Schriften erregten nicht nur Missgunst bei den Kollegen, sondern auch das Missfallen der staatlichen und den Hass der kirchlichen Autoritäten. Da sich La Mettrie nicht mehr auf den Schutz seines Herren, der 1745 im Krieg gefallen war, verlassen konnte, seine Schriften verboten und öffentlich verbrannt wurden, floh er zunächst in die Niederlande und dann nach Preußen. Doch auch am Hofe Friedrichs II., wo er sogar in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurde, konnte er nicht ungestört publizieren. Die preußische Zensur und die Intrigen Voltaires gegen ihn machten ihn angeblich depressiv, was er mit aufgesetztem Spaß kaschiert haben soll. 1751 starb er an einer Lebensmittelvergiftung, die bald zu Gerüchten über ein Attentat führte.


La Mettries Denken wurde über seinen Tod hinaus mit Verachtung gestraft und, was noch schlimmer ist, fast vergessen. Erst Mitte der 1980er Jahren erweckte es Bernd A. Laska mit der Übersetzung und Herausgabe der vierbändigen Werkausgabe wieder zum Leben.

Literatur:


Hausmann, Frank-Rutger: La Mettrie, Julien Offray de, in: Lutz, Bernd (Hg.): Metzler Philosophen Lexikon, Stuttgart/Weimar 19952, S.487f.


Jaumann, Herbert: Julien Offray de La Mettrie, in: Jordan, Stefan u. Mojsisch, Burkhard (Hg.): Philosophenlexikon, Stuttgart 2009, S. 308-310.


Laska; Bernd A.: Julien Offray de La Mettrie, in: www.lsr-projekt.de, Nürnberg 2009.

 
 
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