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Über soziales Engagement in unserer Gesellschaft

Ein philosophisches Essay von

Maria Katharina Ziegler, Königin-Luise-Stiftung (Gymnasium), 01.06.2013

 

Im Folgenden werde ich mich mit dem Thema des sozialen Engagements in unserer Gesellschaft und somit mit der Frage, ob wir genug für andere Menschen tun, beschäftigen. Zunächst möchte ich erklären, wie ich zu diesem Thema kam.

Ich überlegte mir, wie ich den Menschen, die nicht so gut versorgt sind wie ich, helfen und somit ihre Lebenssituation verbessern könnte. Dieser Gedanke beschäftigte mich schon seit geraumer Zeit, aber erst vor ein paar Wochen kam ich dazu, diesen Gedanken weiterzudenken und mir genau zu überlegen, wie ich dahingehend mein Leben verändern könnte. Ich kann dieses Gefühl kaum beschreiben, das Gefühl helfen zu müssen, gerade weil es mir so gut geht. Ich machte mich auf die Suche nach wohltätigen Institutionen, bei denen ich helfen könnte. Doch leider ist mir dabei aufgefallen, dass es im Internet sehr schwer ist, die richtige Organisation zu finden. Ich machte mir Gedanken und fragte mich, wie vielen Leuten es wohl so ging wie mir und wer in unserer Gesellschaft überhaupt bedürftig ist?

Hier gibt sicherlich der aktuelle sog. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung eine statistische Grundlage, was nicht gleichzeitig bedeutet, dass die Armut in unserer Gesellschaft besiegt ist. Vielmehr sollten wir diesen Bericht zum Anlass nehmen, sich selbst zu fragen, was wir persönlich getan haben, um der Armut in unserer Gesellschaft zu begegnen. Durch die perfekte Vernetzung werden wir zwar schneller über Leid und Armut informiert, stumpfen aber eher durch die Fülle an Daten ab. Das persönliche Leid gerät zur allabendlichen Sensation in den Nachrichten. Die Betroffenheit hält nur wenige Minuten an. Wie seit jeher erlangen die schönen Aspekte des Lebens mehr Aufmerksamkeit als gesellschaftliche Probleme. Wir diskutieren mehr über Fußballergebnisse oder Germanys Next Topmodel, als über den alten Mann, der in der Nachbarswohnung verhungerte, weil er kein Geld mehr hatte, um sich etwas zu essen zu holen.

Liegen Geiz und Gier im Blut und in den Genen? Foto: paUnsere Gesellschaft ist auf dem Weg, immer mehr Menschen zurückzulassen, die am Rande des Existenzminimums leben müssen. Die Gier nach Macht, Einfluss und Reichtum lässt kaum noch Raum für das Engagement für bedürftige Menschen, die durch persönliche Schicksale wie Krankheit oder Arbeitslosigkeit aus ihrem sozialen Gefüge gerissen wurden. Diese Menschen nicht allein zu lassen, sondern sie wieder zurück in unsere Gesellschaft zu bringen, ist ein ständiges Problem. Je schneller der Wissenszuwachs und je stärker der Konsum angeheizt wird, umso mehr Menschen werden zurückgelassen. Das bedeutet für uns, dass wir verstärkt auf die Situation dieser Menschen aufmerksam machen müssen. Hierbei können wir nicht alles der Politik überlassen, sondern müssen im privaten Bereich über Eigeninitiative Hilfe leisten. Dabei können auch die neuen Medien sehr hilfreich sein. Man kann zu Hilfsaktionen aufrufen, wie beispielsweise mein Vater aufgerufen wurde, syrische Flüchtlinge in türkischen Flüchtlingslagern als Arzt zu behandeln und zu helfen. Manchmal reicht es einfach nur auf den Nachbarn zuzugehen, der vielleicht krank ist und sich nicht mehr alleine helfen kann. Wir müssen hierbei einfach mehr Sensibilität für den anderen entwickeln. Es ist wichtig, dass wir wieder einen Blick dafür bekommen, ob es jemandem schlecht geht. Das können auch nur nette Worte, kleine Dinge sein, die den Anderen eine große seelische Hilfe bedeuten.

Ehrenamtlich der Berliner Tafel auf der Fruit Logistica unterwegs; Foto: Berliner TafelEs gibt viele Möglichkeiten, sich zu engagieren, auch ohne Geld, sondern nur mit tatkräftiger Unterstützung bei verschiedenen Arbeiten. Viele Menschen verbinden Unterstützung und Engagement mit finanzieller Hilfe, welche Sie nicht geben können, oder möchten. Dieses ist aber nicht immer gefragt. Bei der Berliner Tafel zum Beispiel lässt sich ganz einfach mit Arbeitskraft helfen, die Lebensmittelspenden abzuholen oder auch zu sortieren. Auch kann man im Winter Obdachlosen Menschen helfen, indem man warme Getränke und Decken zusammen mit den Mitarbeitern des Kältebusses verteilt. Wie man sieht ist das Spektrum der freiwilligen Hilfe im sozialen Bereich sehr groß und weitläufig und es ist sicherlich für jeden Typ Mensch etwas dabei. Die häufigste Ausrede, man hätte kein Geld zu helfen, greift also nicht. An ihrer Stelle tritt oft die Ausrede man hätte keine Zeit. Vielfach ist es jedoch so, dass den Menschen inzwischen das eigene Vergnügen und Spaß wichtiger geworden ist, bedingt durch neue Möglichkeiten seine Freizeit zu gestalten (Freizeitparks, Unterhaltungselektronik).

Die Spaßgesellschaft grenzt bewusst notleidende Menschen aus, weil deren Anblick von Not und Gebrechlichkeit keinen Spaß macht. Der Aspekt der Wohltätigkeit ist allerdings noch nicht ganz in unserer Gesellschaft untergegangen. Immer wieder höre ich von Leuten, die Geld oder Sachspenden für wohltätige Zwecke abgeben, oder durch ihre Arbeitskraft unterstützen. Die Institutionen und Bedürftigen freuen sich sehr über die tatkräftige Unterstützung. Ebenso ist ehrenamtliche Tätigkeit eine Möglichkeit, mit anderen, wildfremden Menschen in Kontakt zu treten und ermöglicht einen Austausch. Gerade ältere Menschen, die oft einsam sind, engagieren sich, damit sie sich nicht alleine fühlen. Doch ich finde, dass auch jüngere Menschen die Initiative ergreifen sollten. Denn besonders sie sind die Funken für das Feuer der Veränderung im sozialen Umgang. Wird diesen jungen Menschen Respekt, Anerkennung und Fürsorge für andere Menschen rechtzeitig beigebracht, können sie diese Werte auch an ihre Kinder weitergeben und somit auf längere Sicht die Gesellschaft positiv verändern und zur Minderung von Leid, Elend und Ungerechtigkeit beitragen.

Besonders großen Respekt habe ich vor all denen, die ihr gesamtes Leben aufopfern, um anderen zu helfen. Da wäre Beispielsweise Frau K., die sich seit 65 Jahren jeden Tag abends, im Winter, auf die Straßen traut, um warme Getränke und Decken an Obdachlose Menschen zu verteilen. Diese Menschen sollten, wie ich finde, mehr Anerkennung und Lob für ihre unglaublichen Leistungen bekommen. Es fällt mir schwer, nach einem langen Schultag zuhause zu sitzen und mich zu entspannen, wenn ich immer im Hinterkopf haben muss, dass andere Menschen in genau dieser Zeit großes Bewegen und ihre kostbare Freizeit dafür opfern. Ich denke, es geht Einigen so wie mir, doch warum schaffen wir es einfach nicht, uns aufzuraffen? Auch hier sehe ich den Grund dafür in der Computersucht? Foto: BRUnterhaltungselektronik. Wir sitzen nach getaner Arbeit vor dem Fernseher, dem Computer oder am Handy, lassen uns von den Medien betäuben. Ich bin hoch motiviert anderen zu helfen und somit ein kleines Puzzleteil in der großen weiten Welt zu sein. Ich wünsche mir sehnlichst, dass ich durch dieses Essay andere zum Nachdenken anregen kann, zum Nachdenken über das eigene Verhalten gegenüber anderen, denen es vielleicht nicht so gut geht wie einem selbst. Ich weiß nicht wie vielen es so geht, wie mir. Wie viele Menschen dieses Jucken in den Fingern haben. Es wird immer Menschen geben, die am Rande der Gesellschaft stehen, so dass dieses Thema immer weiter fortbestehen wird und wir deswegen nie nachlassen dürfen in unserem sozialen Engagement in den verschiedenen Ebenen und Variationen, die uns unsere Gesellschaft bietet. Da einer den Anfang machen muss, werde ich mich in Zukunft bei der Berliner Tafel engagieren. 

 
 
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